Von Barbara Gasser und Balz Murer

Das «Lägernstübli» in Boppelsen ist zwar eine Dorfbeiz, doch profitieren auch Auswärtige vom vielfältigen Angebot. Pächter Peter Buff hat immer wieder Ideen, wie er die Gäste mit schmackhaftem Essen verwöhnen und auf vielfältige Art unterhalten kann.

Peter Buff ist Pächter des Restaurant Lägernstübli und bietet seinen Gästen mit verschiedenen Anlässen mehr als nur Speis und Trank. Bild: Balz Murer
Barbara Gasser
19.07.2017

Artikel als pdf

Artikel im Zürcher Unterländer ansehen

Der Zeit voraus war Peter Buff als er vor sechs Jahren begann, vegane Menüs anzubieten. «Damals war das eine ausgefallene Idee, die Aufmerksamkeit erregte», sagt er. Er sei selber erstaunt gewesen über das grosse Echo. Mittlerweile gibt es im Lägernstübli in Boppelsen zwei verschiedene Speisekarte, die eine klassisch, die andere vegan. Neben dem traditionellen Angebot gibt es im Moment aktuelle Sommergerichte, die unter dem Motto «Märchen, Legenden, Magie» stehen. Dazu gehören zum Beispiel Cordon bleu, Lamm und Vitello Tonnato mit jeweils einer Prise Exotik.
Veganer können aus Variationen des klassischen Angebots wählen: Das Club Sandwich wird mit Seitan-, ein Getreideerzeugnis, statt Pouletschnitzel serviert, und sogar der Bopplisser Wurst-Käse-Salat ist in veganer Variante erhältlich. «Das kommt bei den Gästen sehr gut an», berichtet der Wirt. Besonders beliebt sei die kombinierte Küche bei Gruppen, bei denen sich die einen für eine vegetarische oder vegane Lebensweise entschieden haben, die andern aber ganz gern Fleisch essen.

Eine Vernissage als Auftakt

Das «Lägernstübli» bietet neben dem Essen auch ein kulturelles Programm. Peter Buff, der früher den «Frohsinn» in Otelfingen geführt hat, kennt viele Leute in der Region. Ein Gast hat ihn vor rund vier Jahren gefragt, ob er seine Fotos im Restaurant ausstellen könne. Der Wirt liess sich darauf ein und offerierte den Apéro für die Vernissage. Das war der Anfang für ein abwechslungsreiches kulturelles Angebot. «Es geht nicht darum, etablierte Künstler auftreten zu lassen», sagt Peter Buff.

Vielmehr wolle man eine Plattform bieten, damit Leute aus der Umgebung ihre Werke vorstellen können. «Das kann auch mal eine Lesung sein oder ein Konzert, eine Filmvorführung oder eine Bilderausstellung.» In der Regel sind solche Anlässe mit einem Drei-Gang-Menü für 30 Franken kombiniert. Ein Konsumationszwang besteht jedoch nicht. «Wir verlangen keinen Eintritt, freuen uns aber, wenn die Leute etwas essen oder trinken.» Die ungefährt einmal pro Monat stattfindenden kulturellen Anlässe tangieren den übrigen Restaurantbetrieb nicht. «Wir bedienen die Gäste wie gewohnt im Lokal und auf der Terrasse.»
Bei diesem Konzept sei schwierig abzuschätzen, wie viele Leute sich für die jeweilige Veranstaltung interessieren. «Manchmal stehen 20 da, es ist aber auch schon vorgekommen, dass niemand Interesse zeigte.» Als nächstes findet das Sommernachtsfest am Freitag, 25. August, statt mit Unterhaltungsmusik des Lägere Duo. «Das wird ein schöner Abend, erfahrungsgemäss tanzen die Gäste auch», betont Peter Buff.

An allen Fronten im Einsatz

Nachdem die Genossenschaft (siehe Kasten rechts) das Zepter über das «Lägernstübli» übernommen hatte, wurde Peter Buff angefragt, ober er die Pacht übernehmen wolle. «Ein Jahr lang führte ich den ‹Frohsinn› in Otelfingen und die Bopplisser Dorfbeiz gleichzeitig. Da kam ich schon an meine Grenzen», sagt er. Aber auch mit einem Restaurantbetrieb hat der 54-Jährige immer noch alle Hände voll zu tun. Er hat die klassische Ausbildung in der Gastronomie durchlaufen und steht auch mal selber am Herd, wenn Not am Mann ist. Erst kürzlich hat er aber wieder einen Koch anstellen können, nachdem der andere weggezogen war.
Seit fünf Jahren arbeitet seine Schwester Daniela Bossi im Betrieb mit und kümmert sich um den Service. «Wir ergänzen uns gut», sagt Peter Buff. Das «Lägernstübli» ist am Donnerstag geschlossen, bleibt aber den Sommer über an allen anderen Tage geöffnet. «Viele Restaurants in der Umgebung machen jetzt Betriebsferien, davon profitieren wir.» (Zürcher Unterländer)
Erstellt: 18.07.2017, 16:35 Uhr

Ganzer Artikel als pdf

Genossenschaft Restaurant Lägernstübli

Die Dorfbeiz gehört der Bevölkerung

Mehr als acht Jahre nach der Gründung der Genossenschaft Restaurant Lägernstübli funktioniert das Konzept immer noch. Initiant und Vorstands-präsident Thomas Weber be-stätigt, das Restaurant laufe gut, und die Genossenschaft schreibe seit dem Anfang schwarze Zahlen. «Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir damals den richtigen Weg eingeschlagen haben.»
Nachdem der frühere Pächter des Restaurants 2008 weggegangen war, blieb es mehrere Monate geschlossen. Die Zukunft der Dorfbeiz war gefährdet, weil das Geld für einen weiteren Betrieb und damit verbundenen Investitionen fehlte. Da trat Thomas Weber mit der Idee, eine Genossenschaft zu gründen, auf den Plan. Die Liegenschaft wurde mit 660 000 Franken bewertet, die Besitzerin wollte mehr, schliesslich einigte man sich auf 720 000 Franken und einen ersten Anteilschein von 10 000 Franken, sollte die Genossenschaft Wirklichkeit werden. Weber gelangte mit seinem Vorschlag an den Gemeinderat, der jedoch der Gemeindeversammlung einen Antrag für nur 300 000 Franken stellen wollte, wenn die andere Hälfte über Anteilscheine aus der Bevölkerung zusammenkommt.
Thomas Weber und eine Gruppe Leute aus Boppelsen warben im Dorf und in der Umgebung erfolgreich für ihre Idee. Bis zur Gemeindeversammlung im Dezember 2008 hatten bereits 40 Personen Anteilscheine gezeichnet. Zwei Monate später war der Betrag auf 106 000 Franken geklettert. Bis zur ausserordentlichen Gemeindeversammlung von Ende Februar 2009 waren es bereits 327 000 Franken. Die 150 anwesenden Stimmberechtigten genehmigten den Beitrag der Gemeinde für die Übernahme und Zeichnung von Anteilscheinen der Genossenschaft Lägernstübli von 300 000 Franken ein- stimmig. «Jetzt müssen wir schauen, dass wir weitere Genossenschafter gewinnen, damit wirdie Finanzierung für kommende Sanierungen frühzeitig planen können», sagt Thomas Weber. Der Vorstand habe sich in der Zwischenzeit erneuert und irgendwann will auch er sich zurückziehen. Auf jeden Fall aber freut er sich, dass die Dorfbeiz dank der Genossenschaft weiter besteht. bag